Ich habe ja bereits hier etwas über mein Hobbywinzer-Projekt die Auswahl der Rebsorten Solaris und Regent geschrieben, die ich damals für meinen Weingarten als geeignet auserkoren habe. Mit der Auswahl der Rebsorte ist die Rebe aber noch nicht komplett. Jeder Winzer muss sich, wenn er eine Anlage neu anlegt, zudem überlegen, welche Rebunterlage geeignet ist. Die Rebunterlage oder auch Unterlagsrebe ist der unterirdische Teil der Rebe. Sie bildet den Wurzelstamm und das dazu gehörenden Wurzelsystem aus. Auf diesen Wurzelstamm, der meistens von amerikanischen Wildarten abstammt, wird dann die europäische Sorte, die eigentliche Rebsorte, oben aufgepfropft. Der Grund für dieses Vorgehen ist, dass die amerikanischen Unterlagen resistent oder zumindest sehr widerstandsfähig gegenüber der aus Amerika stammenden Reblaus sind, die im 19. Jahrhundert in katastrophalem Umfang europäische Reben vernichtet hat und das auch heutzutage noch tun würde, würde man nicht mit amerikanischen Unterlagen arbeiten. Dass die Bedrohung nach wie vor real ist, sieht man daran, dass es heutzutage sogar gesetzlich verboten ist, unveredelte europäische Reben auszupflanzen. Der Grund dafür, dass die Trauben von amerikanischen Reben im weltweiten Weinbau keine wesentliche Rolle spielen, ist, dass sie einfach nicht so gut schmecken wie ihre europäischen Kollegen. Sie haben oftmals den sogenannten Fox-Ton – einen bestenfalls an Erdbeeren und schlechtestenfalls an feuchte Tierfelle erinnernden Geschmack. Während eines Urlaubs im Schweizer Tessin durfte ich allerdings nicht nur bewundern, wie mehrere alte Amerikanerreben fast ein ganzes Haus überwucherten, sondern auch feststellen, dass sich aus dem Most dieser Amerikanerreben ein wirklich sehr leckerer Grappa brennen lässt, der nach meinem Empfinden keinerlei unangenehme Fehltöne aufweist. Wikipedia zufolge dürfte es sich um die Amerikanerrebe Isabella gehandelt haben. Doch zurück zu den Unterlagsreben.
Einige der wichtigsten Unterlagen, die in deutschen Weinbauregionen genutzt werden, heißen SO4, Kober 5BB, Kober 125AA, Teleki 5C, Teleki 8B oder Binova. Die Reben, die ich schon vorerzogen im Container bestellt hatte, wurden auf die Unterlage SO4 veredelt. Laut Wikipedia handelt es sich bei Ihr um die „die mit Abstand wichtigste Unterlagensorte in Deutschland“. Sie ist geeignet für mitteltrockene Böden, hat eine mittlere Wüchsigkeit, eine gute Kalkverträglichkeit und neigt kaum zu Chlorosebildung infolge zu kalkhaltiger Böden. Sie reagiert außerdem sensibel auf große Pflanzabstände und hohen Stockbelastungen, für die sie zu schwach ist.

Der Stockabstand

Hiervon wissend wählte ich als Abstand zwischen den einzelnen Rebstöcken genau 100cm, was eine tendenziell eher enge Bepflanzung ist. Zumindest laut meinem Weinlehrbuch, dem zufolge sich „Stockabstände zwischen etwa 0,9 m und 1,4m“ in der Praxis bewährt haben. Andere Hobbywinzer empfehlen für die relativ wüchsige Rebsorte Solaris einen Stockabstand von 1,2-1,3 Meter. Nun, es wird sich vor allem in diesem Jahr wohl erstmals zeigen, ob der Stockabstand einigermaßen richtig gewählt wurde. Als Gassenbreite wählte ich 185cm obwohl ich wusste, dass 200cm wohl eigentlich besser wären, um das gegenseitige Beschatten der Reben möglichst zu reduzieren. Was war der Grund hierfür? Ich hatte schlicht und einfach vollkommen unterschätzt, wieviel Arbeit es ist, die Grasnarbe abzustechen, den darunterliegenden Boden zu lockern und die einzelnen Löcher für die Reben auszuheben. Und dabei war ich nicht einmal alleine gewesen und hatte tatkräftige Unterstützung gehabt. So obsiegte also der Ruf der schmerzenden Glieder, es bei 185cm Abstand gut sein zu lassen. Ob ich das in Zukunft bereuen werde? Es wird sich zeigen. Sollte ich einmal wieder einen kleinen Weingarten Anlegen wollen, werde ich beim nächsten Mal jedenfalls eine elektronische Gartenfräse auftreiben.

Der Boden

Durch die händische Bearbeitung der Fläche zeigte sich jedenfalls eindeutig die Beschaffenheit des Bodens.

 

Terroir Weingarten Allgäu

Wie auf dem Foto zu sehen ist, setzt sich der Boden des angelegten Weingartens überwiegend aus einem recht steinigen Lehm zusammen, der einen hohen Tonanteil hat und deswegen relativ schwer ist. Beim Bearbeiten des Bodens schien es mir auf einmal das naheliegenste der Welt zu sein, eine Weinlage Steinacker zu nennen. Problematisch für den Weinbau könnte an diesem Boden der relativ hohe Tongehalt sein, der geringe Grobporenanteil eine schlechte Durchlüftung bewirkt, die sich negativ auf das Wurzelwachstum und das Bodenleben auswirkt. Außerdem führt der geringe Grobporenanteil für eine verhältnismäßig schlecht Wasseraufnahme. Diesen potentiell negativen Eigenschaften kann man aber mit Bodenlockerungsmaßnahmen entgegenwirken. Außerdem kann man das Wasserspeichervermögen und die Durchlüftung durch das Einbringen von organischem Material erhöhen. Und zuletzt verbessert der hohe Anteil an Steinen – so mühsam sie auch die händischen Bodenarbeiten machen – die Durchlüftung des Bodens. Diese Problematik schien mir also mit etwas Aufwand gut zu bewältigen.

Die Ausrichtung der Lage und die durchschnittlichen Sonnenstunden pro Jahr

Neben Wahl der Rebe, der Rebunterlage und des Bodens spielt natürlich auch die Ausrichtung der Reben eine entscheidende Rolle. Das zeigt beispielsweise die Aussage Aubert de Villaines, der die graue Eminenz des Weinguts Domaine de la Romanée-Conti ist, die die teuersten und begehrtesten Weine der Welt herstellt. Er sagt nämlich, dass die Weine bei Ihnen so gut werden, weil alle Weinberge ihrer Gegend (die Côte d’Or im Burgund) nach Osten hin ausgerichtet sind, was die Qualität des dort angepflanzten Pinot Noirs (Spätburgunder) besonders steigere, brauche dieser doch mehr als andere Rebsorten die Morgensonne.
Da der von mir gewählte Weingarten relativ hoch auf 625 Meter Höhe liegt, ist die Jahresdurchschnittstemperatur mit 7,5°C im Vergleich zu denen der Domaine de la Romanée-Conti satte 3,1° Grad niedriger. Bei einer Ausrichtung in die kühlen Himmelsrichtungen Norden und Osten würden vermutlich auch früh reifende Rebsorten lange kämpfen müssen, um reif zu werden. Dementsprechend wählte ich eine Ausrichtung nach Westen, die den Reben abends noch viel Sonne zuteilwerden lässt. Achja, die Sonne, das ist eine Kategorie, in der meine Weinlage wirklich gut dasteht. Mit durchschnittlich rund 1750 bis 1800 Sonnenstunden pro Jahr lässt der Weingarten im Allgäu beispielsweise das im Rheingau gelegene Geisenheim mit seinen 1587 Sonnenstunden hinter sich – ebenso wie die mit durchschnittlich 1433 Stunden durchschnittlicher Sonnenscheindauer bedachte Gemeinden Vosne-Romanée, die in der Nähe von Dijon liegt und die Heimat der weltberühmten Domaine de la Romanée-Conti ist. Wenn die Welt davon Wind bekommt, wird ihn wohl keiner mehr aufhalten können, den steilen Aufstieg des Allgäuer Weins zum begehertesten Tropfen der Welt!