Hier und hier habe ich bereits berichtet, was ich damals vor dem Anlegen des Weinbergs recherchiert habe. Auch die Mühen, die das Abstechen der Grasnarbe macht, hatte ich nicht verschwiegen und darauf hingewiesen, dass ich beim nächsten Mal eine elektronische Gartenfräse zu Hilfe nehmen würde. Ein guter Punkt, um auf meine weiteren naiven Annahmen einzugehen. Denn mit dem Abstechen der Grasnarbe und dem Eingraben der Reben war es noch längst nicht getan, was die manuelle Arbeit angeht. Denn ein Weingarten braucht, will man die Reben nicht als ‚Busch‘ (z. B. die Alberello-Erziehung in Italien oder die Gobelet-Erziehung in Frankreich) oder am Stock (Moselpfahlerziehung) erziehen, ein Drahtrahmengerüst, das die Drähte hält, die wiederum den Reben als Halterung für einen guten vertikalen Wuchs dienen. Da ich vorhabe, meine Reben im Flachbogen zu erziehen, war es klar, dass ich einen Drahtrahmen würde setzen müssen.

Anschaffung und Installationsproblematik

Der Langlebigkeit halber besorgte ich mir also 6 Reihenpfähle aus nicht rostendem Edelstahl mit einer Gesamthöhe von 2,50m. Nichts Böses ahnend dachte ich, bevor ich von dem hohen Ton und Steingehalt des Bodens wusste, dass ich die Pfähle ‚einfach‘ mit einer Schlagkatze würde in den Boden kloppen können. Als ich beim Eingraben der Reben aber merkte, wie steinig der Boden ist, schien es mir nicht mehr realistisch zu sein, mit diesem Plan Erfolg zu haben. Schließlich mussten die Reihenpfähle immerhin 70-75cm tief in den Boden gebracht werden. Nach kurzem Beratschlagen entschloss ich mich also dazu, die Löcher für die Reihenpfähle mit einem Erdbohrer – wohlgemerkt manuell – zu graben. Durch einen in die obere Halterung des Erdankers gesteckten Holzstab konnte eine gewisse Dreh- und Hebelkraft ausgeübt und so die Erde nach oben befördert werden. Damit die Aufgabe auch ja nicht zu leicht werden würde, entschied wohl irgendeine höhere Macht, es tagelang aus Eimern schütten zu lassen, wodurch der tonhaltige Boden extrem schwer wurde. Ich erhielt zwar zwischenzeitlich Hilfe, hatte aber letztlich doch ziemlich Kreuzweg, nachdem die sechs Löcher gänzlich ausgehoben worden waren. Der Standhaftigkeit der Reihenpfähle nicht trauend schlug mein Schwiegervater vor, die Pfähle mit Trockenbeton einzubetonieren. Gesagt, getan. Die kriegt jetzt jedenfalls niemand mehr so schnell aus dem Boden entfernt… So sah das Ganze dann im fertigen Zustand aus (man beachte die Erdanker links im Bild):

Drahtpfähle Weinberg

Widerspenstig, widerspenstiger, verzinkter Draht

Nachdem die Reihe stand, war ich der Meinung, den anstrengendsten Teil geschafft zu haben. So ganz stimmte das leider nicht. Denn ich Esel hatte – wieder von der Sirene der Langlebigkeit gelockt – einen drei Millimeter breiten, dickverzinkten Draht gekauft. Drei Millimeter klingt nach nicht viel, stimmts? Es war eine sehr anstrengende und wirklich enervierende Aufgabe, den Draht mit der Rabitzzange zu spannen und ihn zu durchtrennen. Letzteres war mir lediglich nach ausführlichem Fluchen und dem Aufwenden meiner gesamten Muskelkraft möglich. Unglaublich, wie zäh dieser Draht war. Wenn ich nur daran zurückdenke, bin ich jetzt schon wieder genervt. Der unterste Draht wurde jedenfalls auf 70cm Höhe angebracht mit weiteren Drähte alle 30cm weiter oben folgend. Beim nächsten Mal würde ich also definitiv einen dünneren Draht kaufen (1,5mm Durchmesser), der sich leichter drehen und abtrennen lässt. Durch das manuelle Einziehen des Draht, bei dem die Drahtpfeiler selbst in Bewegung gesetzt wurden, war es natürlich auch nicht möglich den Draht mit perfekter Spannung einzuspannen … Dilettantisch habe ich versucht, dieses Problem durch den Einsatz von Drahtspannern zu lösen. Nun ja, das Ergebnis des Ganzen kann man ausschnitthaft auf diesem Foto sehen, das ich ausgewählt habe, weil ich denke, dass der Draht dort nicht ganz so dilettantisch aussieht, wie in echt 😉

Verzinkter Draht im Weinberg

Sollte ich noch einmal einen Weinberg anlegen, würde ich anstelle einer Guyot-Erziehung wohl übrigens tatsächlich eher versuchen, eine Art Gobelet-Erziehung zu praktizieren. Der Grund hierfür ist übrigens nicht, dass man sich durch diese Form der Erziehung den Drahtrahmen samt Draht sparen kann 😉

Vielmehr ist die Gobelet-Erziehung als solche interessant, weil sie von Haus aus einen niedrigeren und somit konzentrierten Ertrag als beispielweise die Guyot-Erziehung mit sich bringt. Außerdem ermöglicht es diese Form der Erziehung bei richtigem Rebschnitt, die Rebkrankheit Esca gut vorzubeugen, weil man bei Ihr hauptsächlich am sogenannten jungen Holz schneiden kann. Nicht umsonst hat sich einer der auf Spätbrugunder spezialisierte, seit ein paar Jahren kometenhaft aufstrebende Winzer Benedikt Baltes bewusst dazu entschiedene, diese Form der Erziehung in seinen Weinbergen bei Neuanlagen zu praktizieren.

Das erinnert mich daran, bald mal etwas über den sogenannten ’sanften‘ Rebschnitt zu schreiben …